Mockumentary: Unterschied zwischen den Versionen

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"Mockumentaries bewegen sich an der Schnittstelle zwischen fiktionalen und nicht-fiktionalen Filmen"<ref>Maren Sextro: Mockumentaries und die Dekonstruktion des klassischen Dokumentarfilms, Verlag der TU Berlin, 2009, S.10</ref>. Sie imitieren die Form des Dokumentarfilms, doch der Inhalt ist fiktiv. Im Gegensatz zu geläufigen Definitionen, betont Maren Sextro dabei, dass Mockumentaries nicht zwingend nur der satirischen Darstellung eines Thema dienen. Sie stellen eine Ebene der Reflexivität gegenüber dem zu behandelndem Thema, aber insbesondere gegenüber dem dokumentarischen Genre im Allgemeinen bereit, das von Parodie und Kritik bis hin zur Dekonstruktion reicht. Wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu anderen Genres wie zum Beispiel dem Doku-Drama, ist die fiktive Haltung, die der Mockumentary gegenüber der realen Welt einnimmt. Die Täuschung aber darf dabei vor allen Dingen nicht erkannt werden <ref>Maren Sextro: Mockumentaries und die Dekonstruktion des klassischen Dokumentarfilms, Verlag der TU Berlin, 2009, S. 8-12, 55-63</ref>.
 
"Mockumentaries bewegen sich an der Schnittstelle zwischen fiktionalen und nicht-fiktionalen Filmen"<ref>Maren Sextro: Mockumentaries und die Dekonstruktion des klassischen Dokumentarfilms, Verlag der TU Berlin, 2009, S.10</ref>. Sie imitieren die Form des Dokumentarfilms, doch der Inhalt ist fiktiv. Im Gegensatz zu geläufigen Definitionen, betont Maren Sextro dabei, dass Mockumentaries nicht zwingend nur der satirischen Darstellung eines Thema dienen. Sie stellen eine Ebene der Reflexivität gegenüber dem zu behandelndem Thema, aber insbesondere gegenüber dem dokumentarischen Genre im Allgemeinen bereit, das von Parodie und Kritik bis hin zur Dekonstruktion reicht. Wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu anderen Genres wie zum Beispiel dem Doku-Drama, ist die fiktive Haltung, die der Mockumentary gegenüber der realen Welt einnimmt. Die Täuschung aber darf dabei vor allen Dingen nicht erkannt werden <ref>Maren Sextro: Mockumentaries und die Dekonstruktion des klassischen Dokumentarfilms, Verlag der TU Berlin, 2009, S. 8-12, 55-63</ref>.
   
In diesem Making Off aus einer Szene des Films "Dazu den Satan zwingen", kann nachvollzogen werden, wie im Entwicklungsprozess des Films Elemente eines Mockumentary erzeugt werden.
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In diesem Making Of aus einer Szene des Films "Dazu den Satan zwingen", kann nachvollzogen werden, wie im Entwicklungsprozess des Films Elemente eines Mockumentary erzeugt werden.
 
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Dietrich Kuhlbrodt ist auf der Suche nach Verbündeten. Sein Image ist in den Medien angegriffen, von vielen Seiten wird er wegen seiner Klage gegen den NDR kritisiert. Ein Fahrradhändler in Blankenese, der Dietrich eigentlich nicht kennt, muss daher bezeugen, dass er doch ein guter Mensch ist. Bei einem Spaziergang mit dem Filmteam durch Blankenese werden daher tatsächliche Passanten, Bewohner und Verkäufer in die vermeintliche Dokumentation über Dietrich mit einbezogen und in die fingierte Story eingespannt. Der gesamte Film selbst ist kein Mockumentary. Er spielt aber mit und mischt die verschiedenen doku-fiktionalen Formen, so dass unterschiedliche Verhältnisse zwischen Realem und Fiktiven sowie unterschiedliche Grade der (Selbst-)Reflexivität produziert werden, was sich einer klaren Genrezuordnung bewusst entzieht.
 
Dietrich Kuhlbrodt ist auf der Suche nach Verbündeten. Sein Image ist in den Medien angegriffen, von vielen Seiten wird er wegen seiner Klage gegen den NDR kritisiert. Ein Fahrradhändler in Blankenese, der Dietrich eigentlich nicht kennt, muss daher bezeugen, dass er doch ein guter Mensch ist. Bei einem Spaziergang mit dem Filmteam durch Blankenese werden daher tatsächliche Passanten, Bewohner und Verkäufer in die vermeintliche Dokumentation über Dietrich mit einbezogen und in die fingierte Story eingespannt. Der gesamte Film selbst ist kein Mockumentary. Er spielt aber mit und mischt die verschiedenen doku-fiktionalen Formen, so dass unterschiedliche Verhältnisse zwischen Realem und Fiktiven sowie unterschiedliche Grade der (Selbst-)Reflexivität produziert werden, was sich einer klaren Genrezuordnung bewusst entzieht.

Version vom 14. November 2016, 19:25 Uhr

Der Mockumentary ist quasi die Dekonstruktion des Dokumentarfilms: Fingierte narrative Elemente werden so inszeniert als seien sie wahr bzw. so wahr, wie sie durch die bestimmte Vewendung von etablierten, narrativen Formen im Dokumentarfilm erscheinen. "Mockumentaries bewegen sich an der Schnittstelle zwischen fiktionalen und nicht-fiktionalen Filmen"[1]. Sie imitieren die Form des Dokumentarfilms, doch der Inhalt ist fiktiv. Im Gegensatz zu geläufigen Definitionen, betont Maren Sextro dabei, dass Mockumentaries nicht zwingend nur der satirischen Darstellung eines Thema dienen. Sie stellen eine Ebene der Reflexivität gegenüber dem zu behandelndem Thema, aber insbesondere gegenüber dem dokumentarischen Genre im Allgemeinen bereit, das von Parodie und Kritik bis hin zur Dekonstruktion reicht. Wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu anderen Genres wie zum Beispiel dem Doku-Drama, ist die fiktive Haltung, die der Mockumentary gegenüber der realen Welt einnimmt. Die Täuschung aber darf dabei vor allen Dingen nicht erkannt werden [2].

In diesem Making Of aus einer Szene des Films "Dazu den Satan zwingen", kann nachvollzogen werden, wie im Entwicklungsprozess des Films Elemente eines Mockumentary erzeugt werden.

Dietrich Kuhlbrodt ist auf der Suche nach Verbündeten. Sein Image ist in den Medien angegriffen, von vielen Seiten wird er wegen seiner Klage gegen den NDR kritisiert. Ein Fahrradhändler in Blankenese, der Dietrich eigentlich nicht kennt, muss daher bezeugen, dass er doch ein guter Mensch ist. Bei einem Spaziergang mit dem Filmteam durch Blankenese werden daher tatsächliche Passanten, Bewohner und Verkäufer in die vermeintliche Dokumentation über Dietrich mit einbezogen und in die fingierte Story eingespannt. Der gesamte Film selbst ist kein Mockumentary. Er spielt aber mit und mischt die verschiedenen doku-fiktionalen Formen, so dass unterschiedliche Verhältnisse zwischen Realem und Fiktiven sowie unterschiedliche Grade der (Selbst-)Reflexivität produziert werden, was sich einer klaren Genrezuordnung bewusst entzieht.

Einzelnachweise

  1. Maren Sextro: Mockumentaries und die Dekonstruktion des klassischen Dokumentarfilms, Verlag der TU Berlin, 2009, S.10
  2. Maren Sextro: Mockumentaries und die Dekonstruktion des klassischen Dokumentarfilms, Verlag der TU Berlin, 2009, S. 8-12, 55-63