Dietrich Kuhlbrodt

Aus IFM
Version vom 16. März 2017, 06:16 Uhr von Natalie (Diskussion | Beiträge) (Auszüge aus einem Gespräch mit Dietrich Kuhlbrodt (Video))

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Dietrich Kuhlbrodt, geboren am 15.Oktober 1932 in Hamburg, ist Jurist, Oberstaatsanwalt a.D., Filmkritiker, Autor und Schauspieler. Nach wie vor lebt er in Hamburg. Er ist verheiratet mit der Künstlerin und Schauspielerin Brigitte Kausch ("Mutters Maske" [1] von Schlingensief; verstorben 2013). In seiner Biografie sind diese vielen Tätigkeiten beständig miteinander verwoben: „Das kann man alles gut nebenher machen“, wie Dietrich Kuhlbrodt im Interview selbst sagt.

Biografie[2]

Die Anfänge im Film und Fernsehen, Kritik, Autorenschaft und als Jurist

Für den Film arbeitet Dietrich Kuhlbrodt seit 1952. Angefangen hat es im studentischen Filmclub Hamburg und mit ersten Rollen, z.B. als Baron im Theaterstück „Scherz, Satire, Ironie und tiefe Bedeutung“ von Christian Dietrich Grabbe[3], das im deutschen Studententheater in Paris an der Sorbonne 1954 aufgeführt wurde. Ab 1958, zehn Jahre lang, wirkte er in der Filmkritikerkooperative der Zeitschrift „Filmkritik“[4] mit. Seitdem ist er auch ständiger Mitarbeiter von Tages – und Wochenzeitungen, z.B. die „Zeit“. Heute schreibt er u.a für die taz, konkret, junge welt, Schnitt, filmzentrale.com .

Parallel verfolgte er die juristische Laufbahn. Als Dr. iur. arbeitete er von 1964 bis 1995 als Staatsanwalt, zuletzt auch als Oberstaatsanwalt in Hamburg mit dem Spezialgebiet der Verfolgung von Naziverbrechen[5] . 1975 wurde er daher von den Alliierten Widerstandskämpfern in Europa zum Kommandeur des Friedenssterns ernannt (Halsbandorden).

Seit Ende 1968 produzierte D. Kuhlbrodt schließlich auch Arbeiten für das Fernsehen, beginnend mit einem Mehrteiler für den SFB (eine ARD-Sendung) über Film und Zensur, dann für den WDR (Dütsch) einen Beitrag über den Filmemacher Herbert Achternbusch und für das ZDF 1988 eine Eigenproduktion "Der jüngste deutsche Film". Zudem nahm er an zahlreichen TV-Diskussionen teil.

Nicht genug: Sein Wirken als Filmkritiker, Autor und Schauspieler führte ihn zudem zu einigen Lehrtätigkeiten und Gastvorträgen an Hochschulen in Hamburg, München, Bremen u.a. seit den 1960er Jahren.

Sein Schaffen als Schaupieler

Seit den 1990er ist Dietrich Kuhlbrodt u.a. durch seine Rollen in zahlreichen Filmen und Stücken von Christoph Schlingensief und sein Engangement an der Volksbühne in Berlin bekannt. Eine Auswahl seiner Rollen im Folgendem:

Filmrollen: 1990/91 übernimmt er die Rolle des Hamburger Gauleiters Kaufmann in der ARD-Vorabendserie Frikadelle, Tagliatelle (Regie: Runze und Görlitz). 1993 folgen weitere Rollen in der WDR-Produktion "Tod eines Weltstars" (Udo Kier) und in „Silvery/Silbern“ von Caspar Stracke. Letzter Film bekam 1994 auf der New York Expo den Gold Metal Award. Er hatte weitere zahlreiche Rollen in Filmen von Schlingensief ("Das deutsche Kettensägenmassaker"), Ildiko Enyedi ("Mein 20. Jahrhundert"), Klaus Bueb und Thomas Mauch ("Adrian und die Römer"), sowie ars von Trier ("Europa"), Peter Kern ("Schmetterling im Dunkeln"), Frank-Peter Lenze ("Ein perfekter Mord", 1996), wieder Schlingensief ("Die 120 Tage von Bottrop", 1997 und "United Trash", 1998), Sascha Herms ("Todesufer", 2000) und Achim Scherf (Kabale und Liebe", 2001).

Bühnenrollen: Seit 1997 schließlich Arbeit für das Theater (Schlingensief) und Bühnenrollen an der Volksbühne Ost (Berlin, "Monsterdämmerung", von Mayenburg, 1998 und "ATTA ATTA - Die Kunst ist ausgebrochen" von Schlingensief, 2003), dem Burgtheater Wien ("Bambiland" von Elfriede Jelinek, 2003/04), dem Schauspielhaus Zürich ("Attabambi - Pornoland", 2004) und dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg ("Orestes", Euripides, 2001). Auch bei den Performances mit Schlingensief ist Dietrich Kuhlbrodt dabei (New York, PS 1, 1999), sowie von Heavy Girls Lighten (Lovepang-Kongress Berlin, Volksbühne Ost, 2001) , Wolfgang Müller/Tödliche Doris (Hamburg, Club 88, Berlin, Frisör Beige, 2001). 2007 spielt er im St. Pauli-Theater Hamburg und bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen in "Endstation Sehnsucht" (Inszenierung Wilfried Minks) mit. Weitere Inszenierungen, bei denen er als Schauspieler mitwirkte sind: Hermann Schlachten (Rolle des Varus in der Inszenierung Jonas Zipf) in den Wagenhallen Stuttgart, sowie 2009 auf Kampnagel, Hamburg, "Der Fall Esra - ein Rezeptionsdrama" von Angela Richter.

Sein Schaffen als Regisseur und Autor

Sein Drehbuch "Das Liebeskonzil" (Luchterhand 1982) wurde von Werner Schroeter verfilmt. Er schrieb Beiträge für die Performance-Gruppe „Die Tödliche Doris“, erschienen in "Katastrophen selbermachen" 1984 im Verlag Gelbe Musik als Buch und Schallplatte. 1986 führte Dietrich Kuhlbrodt Regie und Kamera bei der Episode "Der Zwölfjährige in der Wüste" (Björn Kuhlbrodt als Jesus und Till Kuhlbrodt als Joseph) im Monumental-Super-8-Film "Jesus-Der Film" von Michael Brynntrup. Weitere Episoden u.a. von Jörg Buttgereit und Wolfgang Müller (Tödliche Doris). Neben zahlreichen Publikationen (Filmkritiken, Buchbeiträgen, veröffentlichte Dietrich Kuhlbrodt u.a. "ABBA-Avantgarde des Normalen" (frühe achtziger Jahre), "Video-Strategie als Lebenskunst" (DuMont 1986), "Populär und elitär" (medienbrief des Goethe-Instituts München 1992), "O. J. Simpson" (konkret. Nachgedruckt im Jahrbuch Fernsehen 1995-1996 des Adolf Grimme-Instituts), "Ein Nachruf für die Schublade (Lea Rosh)" in "Das große Rhabarbern. Neununddreißig Fallstudien über die Talkshow" (Berlin 1996), verfasste er zwei Bücher: "Das Kuhlbrodtbuch" (2002), und "Deutsches Filmwunder. Nazis immer besser" (2006), ein kritische Auseinandersetzung mit der Darstellung der nationalsozialistischen Zeit im deutschen Film der Nachkriegszeit.

Heute, die 2000er Jahre

2006 realisierte Dietrich Kuhlbrodt Performances mit Wolfgang Müller (Raststätte Gnadenbrot, Berlin) und Jörg Buttgereit (Splatterwerkstatt Deutschland, Paradox, Bremen). Im selben Jahr hat er die Hauptrolle in "Bakchen-Orgienprobe" (Text Euripides) unter der Regie von Achim Scherf im Leipziger Off-Theater (Lofft). Seit 2011 arbeitet Dietrich Kuhlbrodt u.a. mit der Performancegruppe HGich.T (Film "Opa 16", Musikvideo "Ich liebe dich") zusammen. Die Arbeiten des Hamburger Küstlerkollektiv HGich.T sind über neue Mitglieder im Rentenalter, Existenzängste und Songs über die Schule, z.B. "Auf der Bühne ist rechtsfreier Raum". Seit 2013 wirkt er schließlich auch im Theater und bei Performances mit und von u.a. den Gruppen Gintersdorfer/Klaßen, Tobias Bühlmann, Ender/Kolosko, Manuel Muerte, Beckwerk, Philipp Hauß und Goldene Zitronen (Ted Gaier).


Auszüge aus einem Gespräch mit Dietrich Kuhlbrodt (Video)

Das Interview führten die Studierenden des Filmbereichs der HFBK Hamburg Anfang 2015 zur Vorbereitung ihres Kollektivfilms "Dazu den Satan zwingen", in dem Dietrich Kuhlbrodt die Hauptfigur spielt.

Über die Zusammenarbeit mit Christoph Schlingensief

Das Interview führte Julian Pörksen.


Über die Arbeit als Filmkritiker, am Beispiel einer Filmkritik zu "Only Lovers left alive"

Das Interview führte Thomas Köhling.


Über Juristerei und Kunstmachen

Das Interview führte Maria Vogt.

Dietrich Kuhlbrodt im Gespräch mit Dietrich Kuhlbrodt

Eine Idee von Lukas Vögler.

Weiterführende Links

Dietrich Kuhlbrodts Website: http://www.dkuhlbrodt.de/

Die Kritiken von Dietrich Kuhlbrodt im Überblick: http://www.filmzentrale.com/kuhlbrodtkritiken.htm

Über Dietrich Kuhlbrodt schreibt Bert Rebhandl in der FAZ (4.1.2007, S.33): http://www.dkuhlbrodt.de/WerFaz.html

Einzelnachweise

  1. Über den Film siehe: http://www.schlingensief.com/projekt.php?id=f032
  2. Alle folgenden Angaben sind entnommen aus der Selbstdarstellung von D. Kuhlbrodt: http://www.dkuhlbrodt.de/Werlang.html
  3. Über das Stück siehe: http://www.zeno.org/Literatur/M/Grabbe,+Christian+Dietrich/Dramen/Scherz,+Satire,+Ironie+und+tiefere+Bedeutung
  4. Christine N. Brinckmann, "Zur Erinnerung an die Zeitschrift Filmkritik", 2011, in: http://www.montage-av.de/pdf/201_2011/201_2011_Brinckmann_Zur-Erinnerung-an-die-Zeitschrift-Filmkritik.pdf
  5. Friderike Gräff, „Scheiße, du kennst sie alle“, taz, 29.8.2015, in: http://www.taz.de/!5223834/