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Aktivistische Filmkritik

24 Byte hinzugefügt, 16:36, 9. Dez. 2016
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[[Frédéric Jaeger]]
 
 
== Ansatz ==
 
Kritiken nehmen Filme in den Blick, versuchen sie zu erfassen und zu vermitteln. Dafür gehen Autorinnen und Autoren von einer Beobachterposition aus, stellen sich vor oder glauben daran, dass sie Unbeteiligte sind, weil sie unabhängig sind. Unabhängig vom wirtschaftlichen Interesse am Erfolg des Films, unabhängig von den Produktions- und Verwertungszusammenhängen. Filmkritik ist daher eine Position, die tatsächlich am Rand entsteht, in einem imaginierten Außen. Was nicht ausschließt, dass es Rückkopplungseffekte geben kann auf die Produktion. Ohnehin nimmt Kritik natürlich Einfluss auf die Wahrnehmung, vor allem darauf, welche historische Bedeutung Filme entfalten.
Aktivistische Filmkritik will etwas verändern, sie versteht sich als politisch. Sie ergreift Partei für die fordernde, lebendige, anregende Kinokultur. Ausgerufen wurde sie 2014 in einem bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen verteilten [http://www.vdfk.de/news/view/169-flugblatt-fur-aktivistische-filmkritik Flugblatt] vom Vorstand des Verbands der deutschen Filmkritik als Reaktion auf die zunehmend trostlose Situation der deutschen Kinolandschaft. Besonders sorgte uns, dass sich viele Programmkinos austauschbaren Filmen unter dem Label „[http://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon&tag=det&id=493 Arthouse]“ verschreiben und darüber die tatsächliche Programmarbeit ins Hintertreffen gerät. Es ist ein Symptom für weitreichende Veränderungen. Neben der Abhängigkeit von primär kommerziellen Erwägungen sind viele Tätigkeiten im Film- und Kinosektor zugleich stärker abhängig von der Politik geworden – und haben sich dadurch de facto entpolitisiert. Positionen, die sich für Filmkultur einsetzen und dies lebensweltlich füllen können, zum Beispiel aus der Praxis als Kinobetreiber, als Produzentin oder Festivalkurator, sind leiser geworden. Gibt es neben Lars Henrik Gass[http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/das-deutsche-filmfoerdergesetz-braucht-einen-wandel-13461802.html] ([https://kurzfilmtage.de/ Internationale Kurzfilmtage Oberhausen] - Anm. der Red.) noch einen Festivalleiter in Deutschland, der es wagen würde, sich öffentlich mit der Filmpolitik anzulegen? Die Arbeitszusammenhänge sind prekär oder werden als solche empfunden. Gerade Festivals, die eine besonders wichtige Rolle eingenommen haben, sind davon betroffen: Chefinnen und Chefs haben Angst, werden politisch eingesetzt und vereinnahmt. Sie begeben sich in den Teufelskreis einer zunehmend schwachen oder schwammigen eigenen Haltung und werden just dadurch immer austauschbarer, wodurch ihre Abhängigkeit und der Druck zur politischen Zurückhaltung noch weiter wächst. Filmkritik darf darauf nicht routiniert oder abgeklärt reagieren. Sie darf sich nicht auf die pure Dienstleistung einzelner Besprechungen zurückziehen. Sie muss die Zusammenhänge immer wieder in den Blick nehmen, denn sie sind nicht unveränderlich.
 == Woche der Kritik== 
Eine Woche aktivistische Filmkritik in Berlin, seit 2015. Die [http://wochederkritik.de/de_DE/ Woche der Kritik] ist eine Film- und Debattenreihe, initiiert von den Verfassern des Flugblatts für aktivistische Filmkritik, getragen vom [http://www.vdfk.de/ Verband der deutschen Filmkritik] mit Partnern wie der [https://www.boell.de/ Heinrich-Böll-Stiftung] und der [https://www.bpb.de/ Bundeszentrale für politische Bildung].
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