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Aktivistische Filmkritik

1.363 Byte hinzugefügt, 16:34, 9. Dez. 2016
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Aktivistische Filmkritik will etwas verändern, sie versteht sich als politisch. Sie ergreift Partei für die fordernde, lebendige, anregende Kinokultur. Ausgerufen wurde sie 2014 in einem bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen verteilten [http://www.vdfk.de/news/view/169-flugblatt-fur-aktivistische-filmkritik Flugblatt] vom Vorstand des Verbands der deutschen Filmkritik als Reaktion auf die zunehmend trostlose Situation der deutschen Kinolandschaft. Besonders sorgte uns, dass sich viele Programmkinos austauschbaren Filmen unter dem Label „[http://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon&tag=det&id=493 Arthouse]“ verschreiben und darüber die tatsächliche Programmarbeit ins Hintertreffen gerät. Es ist ein Symptom für weitreichende Veränderungen. Neben der Abhängigkeit von primär kommerziellen Erwägungen sind viele Tätigkeiten im Film- und Kinosektor zugleich stärker abhängig von der Politik geworden – und haben sich dadurch de facto entpolitisiert. Positionen, die sich für Filmkultur einsetzen und dies lebensweltlich füllen können, zum Beispiel aus der Praxis als Kinobetreiber, als Produzentin oder Festivalkurator, sind leiser geworden. Gibt es neben Lars Henrik Gass[http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/das-deutsche-filmfoerdergesetz-braucht-einen-wandel-13461802.html] ([https://kurzfilmtage.de/ Internationale Kurzfilmtage Oberhausen] - Anm. der Red.) noch einen Festivalleiter in Deutschland, der es wagen würde, sich öffentlich mit der Filmpolitik anzulegen? Die Arbeitszusammenhänge sind prekär oder werden als solche empfunden. Gerade Festivals, die eine besonders wichtige Rolle eingenommen haben, sind davon betroffen: Chefinnen und Chefs haben Angst, werden politisch eingesetzt und vereinnahmt. Sie begeben sich in den Teufelskreis einer zunehmend schwachen oder schwammigen eigenen Haltung und werden just dadurch immer austauschbarer, wodurch ihre Abhängigkeit und der Druck zur politischen Zurückhaltung noch weiter wächst. Filmkritik darf darauf nicht routiniert oder abgeklärt reagieren. Sie darf sich nicht auf die pure Dienstleistung einzelner Besprechungen zurückziehen. Sie muss die Zusammenhänge immer wieder in den Blick nehmen, denn sie sind nicht unveränderlich.
 
Woche der Kritik
 
Eine Woche aktivistische Filmkritik in Berlin, seit 2015. Die [http://wochederkritik.de/de_DE/ Woche der Kritik] ist eine Film- und Debattenreihe, initiiert von den Verfassern des Flugblatts für aktivistische Filmkritik, getragen vom [http://www.vdfk.de/ Verband der deutschen Filmkritik] mit Partnern wie der [https://www.boell.de/ Heinrich-Böll-Stiftung] und der [https://www.bpb.de/ Bundeszentrale für politische Bildung].
Mit ihrem parallel zur Berlinale stattfindenden Programm versteht sich die Woche der Kritik als ein Gegenüber der großen Festivalmaschinerie, das sich einer kritischen Befragung der heutigen Kinokultur verschreibt. Die Mechanismen, die von der Finanzierung über die Produktion, den Vertrieb und das Abspiel bis hin zur Rezeption greifen, sollen dabei in den Blick genommen werden. Es geht also gleichzeitig um das einzelne Werk – lediglich sieben Filmprogramme werden gezeigt – als auch um das große Ganze.
Die Woche der Kritik ist ein Versuchslabor für eine kritische Intervention, die sich selbst der Kritik stellen will. Sie schafft daher nicht nur einen diskursiven Raum, sondern braucht den tatsächlichen, physischen Ort, an dem ihre Anliegen als Gegenstände sichtbar sind und leibhaftig vertreten werden. In all ihrer Vorläufigkeit und Fragilität soll die Intervention so selbst greifbar sein.
[[Kategorie:Essay]]
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