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Aktivistische Filmkritik

148 Byte hinzugefügt, 13:00, 6. Nov. 2016
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Aktivistische Filmkritik sagt der eigenen Zurückhaltung den Kampf an, lässt den Glauben hinter sich, unbeteiligt zu sein, und bewegt sich aufs Terrain. Das heißt zum einen, den geschützten Rahmen der Berichterstattung zu verlassen und selbst zu gestalten, zum Beispiel die Woche der Kritik, die parallel zur Berlinale Positionen der Kinokultur hinterfragt. Zum anderen heißt es, eine falsche Vorstellung von Distanz aufzugeben, wo sie ohnehin nur vorgegaukelt ist, sich einzumischen, Akteur von Debatten zu sein. Statt die eigene Position zu verschleiern, wird sie transparent gemacht. Filmkritik wird dadurch ehrlicher und eigensinniger.
[[Datei:Godard camera.jpg|Jean-Luc Godard, Filmkritiker und Regisseur. Inspiration für die aktivistische Filmkritik? Fotoquelle: Cahiers du cinéma via Blog Godard Montage.]]
Aktivistische Filmkritik will etwas verändern, sie versteht sich als politisch. Sie ergreift Partei für die fordernde, lebendige, anregende Kinokultur. Ausgerufen wurde sie 2014 in einem bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen verteilten [http://www.vdfk.de/news/view/169-flugblatt-fur-aktivistische-filmkritik Flugblatt] vom Vorstand des Verbands der deutschen Filmkritik als Reaktion auf die zunehmend trostlose Situation der deutschen Kinolandschaft. Besonders sorgte uns, dass sich viele Programmkinos austauschbaren Filmen unter dem Label „[http://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon&tag=det&id=493 Arthouse]“ verschreiben und darüber die tatsächliche Programmarbeit ins Hintertreffen gerät. Es ist ein Symptom für weitreichende Veränderungen. Neben der Abhängigkeit von primär kommerziellen Erwägungen sind viele Tätigkeiten im Film- und Kinosektor zugleich stärker abhängig von der Politik geworden – und haben sich dadurch de facto entpolitisiert. Positionen, die sich für Filmkultur einsetzen und dies lebensweltlich füllen können, zum Beispiel aus der Praxis als Kinobetreiber, als Produzentin oder Festivalkurator, sind leiser geworden. Gibt es neben Lars Henrik Gass[http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/das-deutsche-filmfoerdergesetz-braucht-einen-wandel-13461802.html] ([https://kurzfilmtage.de/ Internationale Kurzfilmtage Oberhausen] - Anm. der Red.) noch einen Festivalleiter in Deutschland, der es wagen würde, sich öffentlich mit der Filmpolitik anzulegen? Die Arbeitszusammenhänge sind prekär oder werden als solche empfunden. Gerade Festivals, die eine besonders wichtige Rolle eingenommen haben, sind davon betroffen: Chefinnen und Chefs haben Angst, werden politisch eingesetzt und vereinnahmt. Sie begeben sich in den Teufelskreis einer zunehmend schwachen oder schwammigen eigenen Haltung und werden just dadurch immer austauschbarer, wodurch ihre Abhängigkeit und der Druck zur politischen Zurückhaltung noch weiter wächst. Filmkritik darf darauf nicht routiniert oder abgeklärt reagieren. Sie darf sich nicht auf die pure Dienstleistung einzelner Besprechungen zurückziehen. Sie muss die Zusammenhänge immer wieder in den Blick nehmen, denn sie sind nicht unveränderlich.
[[Kategorie:Essay]]
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